PISA 2025 und KI in der Schule: Wer prüft die Antwort?
Eine Frage an einen KI-Chatbot ist schnell gestellt. Die Antwort klingt oft so, als wäre die Recherche damit erledigt. Aber woher kommen die Aussagen? Welche Quelle stützt sie? Und was bleibt offen? Genau an dieser Stelle beginnt eine Fähigkeit, die Schüler:innen weiterhin brauchen: selbst recherchieren und Informationen prüfen.
Die PISA-Ergebnisse 2025 für Österreich zeigen, wie alltäglich KI beim Lernen bereits ist. 50 Prozent der befragten 15-Jährigen gaben an, mindestens einmal pro Woche einen KI-Chatbot als Lernhilfe zu verwenden. 37 Prozent nutzen ihn für erste Recherchen zu einem neuen Thema, 34 Prozent zum Zusammenfassen eines Textes und 31 Prozent für Entwürfe von Schreibaufgaben. Das sind Selbstauskünfte der Jugendlichen. Sie zeigen Nutzung, aber nicht, ob eine einzelne KI-Anwendung Lernen verbessert oder verschlechtert.
Recherchieren steht im Lehrplan – aber wie viel Zeit ist dafür vorgesehen?
In der österreichischen Sekundarstufe I ist Digitale Grundbildung an Mittelschulen und AHS-Unterstufen von der 5. bis zur 8. Schulstufe mit mindestens einer fixen Wochenstunde vorgesehen. Diese Stunde gehört allerdings nicht allein dem Recherchieren. Der Lehrplan umfasst auch Orientierung in der digitalen Welt, Kommunikation, Produktion und verantwortungsvolles Handeln. Eine eigene Stundenzahl für Quellenprüfung lässt sich daraus nicht ablesen. Der Lehrplan sagt zudem nicht, wie oft Jugendliche diese Fähigkeit tatsächlich üben. Bundesministerium für Bildung: Digitale Grundbildung
Die Ziele sind dennoch konkret. Schüler:innen sollen zunächst einfache Internetrecherchen durchführen und die Qualität von Informationen anhand grundlegender Kriterien einschätzen. Später sollen sie eine Suche gezielt planen, geeignete Quellen wählen und gefundene Informationen miteinander vergleichen. Auch die Möglichkeiten und Grenzen künstlicher Intelligenz sind Thema. Lehrplan der Mittelschule im RIS
Wer leitet Jugendliche beim Recherchieren an?
Die Lehrpersonen im Fach Digitale Grundbildung haben dafür einen klaren Auftrag. Recherche bleibt aber nicht auf dieses Fach beschränkt: Der Lehrplan sieht fächerübergreifendes Arbeiten vor. Auch im Deutschunterricht gehört es dazu, Beiträge aus unterschiedlichen Medien zu recherchieren und mit Internetquellen kritisch umzugehen. Bei einer Arbeit in Geschichte, Biologie oder einem anderen Fach kann die Frage nach Quellen ebenso aufgegriffen werden. Entscheidend ist, dass Schüler:innen dabei Anleitung und Rückmeldung bekommen – nicht nur den Auftrag „Recherchiert das einmal“. Lehrplan der Mittelschule, Bundesministerium für Bildung: digi.komp
Wie Schulen diese Aufgaben zwischen Fächern abstimmen und wie viel Zeit sie dafür im Alltag aufwenden, lässt sich aus dem Lehrplan allein nicht beantworten. Eine hilfreiche Frage für ein Kollegium wäre daher: Wo lernen unsere Schüler:innen, eine Behauptung zu überprüfen – und wo können sie das wiederholt anwenden?
Eine KI-Antwort ist ein Ausgangspunkt, keine Quelle
Wer einen Chatbot um eine Erklärung bittet, erhält einen fertigen Text. Für eine Recherche muss daraus erst eine überprüfbare Frage werden. Schüler:innen können beispielsweise eine konkrete Aussage aus der Antwort auswählen und fragen: Wer bestätigt sie? Ist die gefundene Quelle für diese Frage geeignet und aktuell? Gibt es eine zweite, unabhängige Quelle? Widersprechen sich die Angaben?
Das lässt sich an einem Unterrichtsthema üben, ohne KI zur Voraussetzung zu machen: Eine Gruppe prüft eine Aussage aus einer KI-Antwort, eine andere sucht selbst nach Belegen. Anschließend vergleichen beide ihre Quellen und markieren, welche Teile der Aussage gut belegt sind und welche offenbleiben. So wird sichtbar, was Recherche leistet: nicht möglichst rasch einen Text abgeben, sondern begründet entscheiden, welchen Informationen man vertrauen kann.
Die OECD-Auswertung zu PISA 2025 zeigt einen Zusammenhang zwischen Lerngelegenheiten zum Prüfen von KI-Inhalten und schulischen Leistungen. Daraus lässt sich keine Ursache ableiten. Für den Unterricht ist die Frage trotzdem sinnvoll: Bekommen Jugendliche genug Gelegenheiten, Antworten zu hinterfragen und eigene Belege zu finden?
Recherchieren muss man üben können
Ein Lehrplanziel wird nicht schon dadurch zur sicheren Fähigkeit, dass es einmal besprochen wurde. Schüler:innen brauchen wiederholte Gelegenheiten, Suchbegriffe zu verändern, Quellen zu vergleichen, Fehler zu entdecken und ihre Entscheidung zu erklären. KI macht diesen Schritt besonders sichtbar: Die Antwort ist sofort da. Die Begründung, warum man ihr vertrauen sollte, muss erst erarbeitet werden.
Wer schreibt hier?

Ich bin Bettina Kuschey – Teambuilderin und Trainerin für Unternehmen und Schulen.
Nach rund 20 Jahren in Unternehmen und Konzernen, davon zehn Jahre als Führungskraft, kenne ich die Herausforderungen guter Zusammenarbeit aus der Praxis.
Heute unterstütze ich Teams, Schulklassen und Pädagog:innen dabei, Kommunikation zu verbessern, Konflikte anzusprechen und ein starkes Miteinander zu gestalten.
Als Medienpädagogin begleite ich Schulen außerdem dabei, Kinder und Jugendliche für einen sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien zu stärken.
In meinem Blog teile ich Erfahrungen, Hintergründe und konkrete Impulse aus meiner Trainingspraxis.
Sie möchten Quellenprüfung mit Ihrer Klasse praktisch üben? Im Workshop „Recherchieren like a pro“ arbeiten Schüler:innen der 5. bis 9. Schulstufe an Suchstrategien, glaubwürdigen Quellen und KI-generierten Inhalten.
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