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Ein gemeinsamer Ausflug ist noch kein Teambuilding

Autorenbild: Bettina Kuschey
Bettina Kuschey
29. Sept.
5 Min. Lesezeit

Ein gemeinsamer Ausflug kann ein richtig guter Tag sein. Menschen kommen außerhalb des Arbeitsalltags miteinander ins Gespräch, erleben sich in einer anderen Umgebung und lachen vielleicht wieder einmal gemeinsam. Das ist wertvoll.

Nur: Ein schöner gemeinsamer Tag ist nicht automatisch Teambuilding.

Wenn ein Team miteinander essen geht, wandert, kocht oder einen Escape Room besucht, kann das die Stimmung verbessern. Es kann Nähe schaffen und Erinnerungen hinterlassen. Ob sich dadurch aber auch die Zusammenarbeit verändert, ist eine andere Frage.

Teambuilding beginnt für mich deshalb nicht bei der Aktivität. Es beginnt bei der Frage: Was soll für dieses Team danach anders sein?


Ein Betriebsausflug darf einfach ein Betriebsausflug sein


Nicht jede gemeinsame Aktivität braucht ein Entwicklungsziel. Manchmal geht es darum, miteinander Zeit zu verbringen, einen Erfolg zu feiern oder Danke zu sagen. Dann muss aus einem Ausflug kein Training werden.

Schwierig wird es erst, wenn an einen netten gemeinsamen Tag Erwartungen geknüpft werden, die er kaum erfüllen kann: Danach soll die Kommunikation besser sein, ein schwelender Konflikt verschwunden oder die Zusammenarbeit plötzlich verbindlicher geworden sein.

Gemeinsame Zeit kann dafür einen guten Boden schaffen. Sie ersetzt aber nicht die Auseinandersetzung mit dem, was im Arbeitsalltag tatsächlich schwierig ist.


Teambuilding braucht ein gemeinsames Ziel


Bevor eine Methode oder Aktivität ausgewählt wird, braucht es Klarheit über das Anliegen. Soll das Team einander besser kennenlernen? Geht es um Vertrauen, um unklare Rollen, um Kommunikation oder um die Zusammenarbeit nach einer Veränderung? Müssen Spannungen zuerst sichtbar werden? Oder braucht ein neu zusammengesetztes Team eine gemeinsame Grundlage?

Je genauer das Ziel, desto sinnvoller kann ein Teambuilding gestaltet werden.

Das passt auch zu dem, was die Forschung zeigt: Eine große Metaanalyse untersuchte unter anderem Zielklärung, Rollenklärung, Problemlösung und zwischenmenschliche Beziehungen als Bestandteile von Teambuilding. Über verschiedene untersuchte Ergebnisse hinweg zeigte sich ein positiver, moderater Effekt. Entscheidend ist also nicht das Etikett „Teambuilding“, sondern was inhaltlich und methodisch tatsächlich passiert.

Ein Ziel schützt außerdem vor Aktionismus. Nicht jede beliebte Teamaktivität passt zu jedem Team – und nicht jedes Teamproblem lässt sich mit derselben Übung bearbeiten.


Gezielte Übungen machen Zusammenarbeit erlebbar


In einem Teambuilding geht es nicht darum, Menschen möglichst spektakulär zu beschäftigen. Eine Übung braucht eine Funktion. Sie soll etwas sichtbar, erlebbar oder besprechbar machen, das für die Zusammenarbeit relevant ist.

Wie trifft das Team Entscheidungen? Wer übernimmt schnell die Führung? Wessen Ideen werden gehört? Was passiert, wenn der erste Plan nicht funktioniert? Wie geht die Gruppe mit Zeitdruck, Unsicherheit oder unterschiedlichen Einschätzungen um?

Solche Fragen müssen während einer Übung nicht theoretisch beantwortet werden. Sie zeigen sich im gemeinsamen Tun. Genau darin liegt die Stärke eines gut gestalteten Formats: Zusammenarbeit wird nicht nur beschrieben, sondern in einer überschaubaren Situation erlebt.

Die Übung ist dabei nie Selbstzweck. Sie muss zum Ziel, zur Gruppe und zu den tatsächlichen Rahmenbedingungen passen. Was ein eingespieltes Team herausfordert, kann ein neu zusammengestelltes Team überfordern. Was für eine Gruppe lebendig und motivierend ist, kann für eine andere Gruppe unpassend sein.


Reflexion verbindet die Übung mit dem bisherigen Miteinander


Nach einer Aufgabe nur festzustellen, dass sie Spaß gemacht hat oder erfolgreich gelöst wurde, greift zu kurz. Die entscheidende Frage lautet: Was hat das gerade mit unserer Zusammenarbeit zu tun?

Teams können gemeinsam betrachten, was ihnen geholfen hat, wo sie festgehangen sind und welche Muster ihnen bekannt vorkommen. Vielleicht wurde sehr schnell gehandelt, aber kaum zugehört. Vielleicht gab es viele gute Ideen, aber keine gemeinsame Entscheidung. Vielleicht hat eine Person Verantwortung übernommen, während andere sich zurückgezogen haben. Vielleicht gelang die Aufgabe gerade deshalb, weil das Team sein ursprüngliches Vorgehen verändert hat.

In der Teamforschung wird dafür der Begriff Teamreflexivität verwendet: Teams betrachten gemeinsam, wie sie arbeiten, und passen ihr Vorgehen bei Bedarf an. Diese Reflexion macht aus einer einzelnen Erfahrung eine Lernmöglichkeit.

Sie sollte jedoch nicht zur erzwungenen Selbstoffenbarung werden. Nicht jede Beobachtung braucht sofort eine tiefgehende persönliche Aussprache. Gute Reflexion ist konkret, respektvoll und eng mit dem vereinbarten Ziel verbunden.


Ein gemeinsames Erfolgserlebnis verändert den Blick auf das Team


Ein wesentlicher Bestandteil von Teambuilding ist für mich das gemeinsame Erfolgserlebnis.

Das Team soll nicht nur darüber sprechen, wie Zusammenarbeit funktionieren könnte. Es soll erleben: Wir können gemeinsam etwas bewältigen.

Das bedeutet nicht, dass jede Aufgabe beim ersten Versuch gelingen muss. Oft entsteht das Erfolgserlebnis gerade dann, wenn ein erster Plan scheitert, das Team neu denkt und einen anderen Weg findet. Entscheidend ist, dass der Erfolg nicht einer einzelnen Person zugeschrieben wird, sondern aus dem Zusammenspiel entsteht.

Ein solches Erlebnis löst nicht automatisch alle Probleme. Es kann aber einen neuen Bezugspunkt schaffen. Das Team hat erfahren, dass es zuhören, sich neu organisieren, unterschiedliche Stärken nutzen oder nach einem Rückschlag weiterarbeiten kann.

Dieser Bezugspunkt ist besonders wertvoll, wenn Zusammenarbeit bisher vor allem als mühsam erlebt wurde. Er ersetzt keine weitere Entwicklung, aber er zeigt: Veränderung ist nicht nur eine Idee. Das Team hat bereits erlebt, dass etwas anderes möglich ist.


Entscheidend ist, was im Alltag weiterlebt


Ein Teambuilding endet nicht mit der letzten Übung. Zum Abschluss braucht es eine Brücke zurück in den Arbeitsalltag.

Was möchte das Team beibehalten? Was soll künftig anders laufen? Welche Vereinbarung ist konkret genug, um nicht nach wenigen Tagen wieder zu verschwinden? Wer achtet darauf, dass sie im Alltag tatsächlich Platz bekommt?

Das müssen keine großen Vorsätze sein. Häufig ist eine klare, gemeinsam getragene Veränderung wertvoller als eine lange Liste guter Absichten. Entscheidend ist, dass das Team einen Zusammenhang zwischen dem Erlebten und seiner täglichen Zusammenarbeit erkennt.

Ohne diese Verbindung bleibt ein Teambuilding möglicherweise ein schöner Tag. Mit einem klaren Ziel, passenden Übungen, gemeinsamer Reflexion und einem echten Erfolgserlebnis kann daraus jedoch etwas entstehen, das weiterwirkt.


Betriebsausflug oder Teambuilding? Beides kann richtig sein


Ein Betriebsausflug und ein Teambuilding erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Der Ausflug kann Gemeinschaft pflegen, Begegnung ermöglichen und Wertschätzung ausdrücken. Teambuilding nimmt die Zusammenarbeit gezielt in den Blick.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, welches Format grundsätzlich besser ist. Sondern: Was braucht dieses Team gerade?

Wenn Sie miteinander eine gute Zeit verbringen möchten, darf genau das das Ziel sein. Wenn sich in der Zusammenarbeit etwas entwickeln soll, braucht es mehr: ein gemeinsames Ziel, gezielte Übungen, die Reflexion des bisherigen Miteinanders und vor allem ein gemeinsames Erfolgserlebnis.


Quellen


Wer schreibt hier?

Bettina Kuschey, Teambuilderin und Trainerin für Unternehmen und Schulen

Ich bin Bettina Kuschey – Teambuilderin und Trainerin für Unternehmen und Schulen.

Nach rund 20 Jahren in Unternehmen und Konzernen, davon zehn Jahre als Führungskraft, kenne ich die Herausforderungen guter Zusammenarbeit aus der Praxis.

Heute unterstütze ich Teams, Schulklassen und Pädagog:innen dabei, Kommunikation zu verbessern, Konflikte anzusprechen und ein starkes Miteinander zu gestalten.

Als Medienpädagogin begleite ich Schulen außerdem dabei, Kinder und Jugendliche für einen sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien zu stärken.

In meinem Blog teile ich Erfahrungen, Hintergründe und konkrete Impulse aus meiner Trainingspraxis.



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